

Gewandhaus zu Leipzig
Das Gewandhausorchester ist das älteste bürgerliche Konzertorchester der Welt. Keimzelle des Orchesters war die 1743 von 16 Kaufleuten gegründete Konzertgesellschaft „Großes Concert“. Mit dem Umzug in das Messehaus der Tuchwarenhändler im Jahre 1781 erhielt das Ensemble den Namen „Gewandhausorchester“. 1884 bezog man das durch den Verkauf von Stiftungs-Anteilen errichtete neue Konzerthaus, das 1944 von Luftangriffen zerstört wurde. 1981 wurde das neue Gewandhaus am Augustusplatz eingeweiht.
Wenige andere Klangkörper waren an der Entwicklung der symphonischen Musiktradition so beteiligt wie das Gewandhausorchester. Es spielte beispielsweise noch zu Lebzeiten des Komponisten sämtliche Beethoven-Symphonien, der weltweit erste Bruckner-Zyklus ist dem Orchester zu verdanken, ebenso der erste Schostakowitsch-Zyklus in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts.
Den europäischen Ruhm des Orchesters begründete Felix Mendelssohn Bartholdy, der 1835 als Gewandhauskapellmeister gewonnen wurde und als erster Dirigent im modernen Sinne wirkte, indem er die bis zu seinem Amtsantritt bestehende Teilung zwischen Musikdirektor und Konzertmeister bei der musikalischen Leitung des Orchesters aufhob. Von dem Zeitpunkt an entwickelte sich der Dirigent selbst zum Interpreten, der Werke mit seiner persönlichen Deutung auflädt. Am 4. Oktober 1835 dirigiert Mendelssohn zum ersten Mal ein Gewandhauskonzert. Auf dem Programm steht seine Ouvertüre "Meeresstille und glückliche Fahrt", außerdem Werke von Cherubini, Spohr und Weber. Zum Abschluss erklingt Beethovens 4. Sinfonie.
Mendelssohns Idee, zeitgenössische Musik, die damals ausschließlich auf den Konzertpodien gespielt wurde, stärker in einen historischen Kontext einzubetten ist es zu verdanken, dass die Werke Johann Sebastian Bachs wieder ins Bewusstsein rückten. Am 9. November 1835 erklingt zum ersten Mal ein Werk Bachs im Gewandhaus. In Mendelssohns Amtszeit fallen unter anderem die Uraufführungen von Schuberts „Großer“ C-Dur-Sinfonie, Nils Wilhelm Gades 1. und 2. Sinfonie, die 1. und 4. Sinfonie von Schumann sowie einige seiner eigenen Werke (Ouvertüre „Ruy Blas“, 42. Psalm, Lobgesang, 3. Sinfonie („Schottische“), Die erste Walpurgisnacht, Violinkonzert e-Moll).
Fünf Jahre nach dem Amtsantritt von Mendelssohn, am 26. September 1840, wird das Gewandhausorchester unter die Obhut des Rates der Stadt Leipzig gestellt und zum "Stadtorchester" erklärt. Das "Stadtorchester" übernahm die Aufgaben, die bisher von den Stadtpfeiffern wahrgenommen wurden. Aufgrund dieser Entscheidung zeichnet sich das Orchester bis heute durch ein selten großes Repertoire-Spektrum und eine ungewöhnlich hohe Aufführungsdichte aus, da es als Konzertorchester im Gewandhaus musiziert, als Opernorchester der Leipziger Oper und als Kammerorchester, das gemeinsam mit den weltberühmten Thomanern die Kantaten in der Thomaskirche gestaltet. Mit weit über 200 Aufführungen in diesen drei Spielstätten und auf Tournee ist das Gewandhausorchester das musikalische Zentrum der Stadt Leipzig und ihr wichtigster musikalischer Botschafter.
Einige der bedeutendsten Gewandhauskapellmeister waren außer Felix Mendelssohn Bartholdy (1835-1847): Arthur Nikisch (1895-1922), Wilhelm Furtwängler (1922-1928) und Bruno Walter (1929-1933). Kurt Masur (1970-1997) und Herbert Blomstedt (1998-2005) sind die Ehrendirigenten des Gewandhausorchesters. Seit September 2005 hat Riccardo Chailly den Posten des Gewandhauskapellmeisters inne.
Gewandhaus zu Leipzig
Augustplatz 8
04109 Leipzig
www.gewandhaus.de