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Mendelssohn-Preis 2011

Mendelssohn-Preis

Preisträger des Internationalen Mendelssohn-Preises zu Leipzig 2011

Prof. Peter Schreier

Peter Schreier wurde in Meißen als Sohn eines Kantors und Lehrers geboren. Schon als Mitglied im Dresdner Kreuzchor wurden ihm viele solistische Aufgaben übertragen, u.a. die Altpartie in den Bachschen Oratorien. Nach dem Abitur studierte er bis 1959 an der Dresdner Musikhochschule Gesang bei Herbert Winkler und Johannes Kemter, Dirigieren bei Ernst Hintze und Chorleitung bei Martin Flämig.
1959 gab Schreier sein Bühnendebüt als Erster Gefangener in Beethovens Fidelio. 1961 wurde er Mitglied der Staatsoper Dresden und hatte im folgenden Jahr als Belmonte in Mozarts Entführung aus dem Serail seinen ersten großen Erfolg. 1963 verpflichtete ihn die Deutsche Staatsoper Berlin mit einem Gastvertrag, 1969 kam die Wiener Staatsoper hinzu. 1966 sang Schreier bei den Bayreuther Festspielen den Jungen Seemann im Tristan und im Jahr darauf trat er zum ersten Mal bei den Salzburger Festspielen auf, wo er ununterbrochen 25 Jahre gastierte. Das Debüt als Tamino an der New Yorker Metropolitan Opera und erste Auftritte an der Mailänder Scala und im Teatro Colon in Buenos Aires folgten
Für seine Verdienste wurde er verschiedentlich ausgezeichnet; so ernannten ihn Bayern, Österreich und die ehemalige DDR zum Kammersänger. Seit September 1981 ist Peter Schreier Honorarprofessor für Gesang. Er wurde Ehrenmitglied der Gesellschaft der Musikfreunde Wien (1986), Akademiemitglied in München und Berlin (seit 1989) und ist Mitglied der Königlich-Schwedischen Kunstakademie seit Mai 1989. Seine Preise umfassen u.a. den Nationalpreis 1. Klasse (1972, 1986), des weiteren den Leonie-Sonnigs-Musikpreis, Kopenhagen
(1988). 1994 wurde ihm der Georg-Philipp-Telemann-Preis der Landeshauptstadt Magdeburg verliehen, im gleichen Jahr erhielt er den Wartburg-Preis. Für seine Verdienste in Mozarts Werken bekam er die Wiener Flötenuhr und 1988 wurde er in München mit dem Ernst-von-Siemens-Preis geehrt, der auch an Leonard Bernstein, Wolfgang Sawallisch und Claudio Abbado verliehen wurde.
Peter Schreier hat sich seit Beginn seiner Laufbahn als hervorragender Mozart-Tenor einen Namen gemacht. Er selbst betrachtet die Mozart-Rollen zwar als Kernstück seiner Arbeit, sang daneben aber eine Vielzahl anderer Rollen wie Loge in Rheingold und die Titelpartie in Palestrina. Ebenso besitzt er im Bereich der klassisch-romantischen Kantate und des Oratoriums ein großes Repertoire. Seine große Liebe aber gilt dem Lied, womit er bis heute in allen bedeutenden Konzertsälen der Welt auftritt.
Als ehemaliges Kreuzchor-Mitglied und aus seiner sächsisch-protestantischen Kantorentradition heraus bilden immer noch die Werke Bachs den Schwerpunkt seiner künstlerischen Arbeit. Eine umfangreiche Discographie belegt, dass Schreier seit Jahrzehnten als hochintelligenter und sensibler Lied-Interpret geschätzt ist, der sich mit allen Stilarten bis zur Moderne befasst. Im Zeitraum 1990 bis 1991 wurden die drei großen Schubert-Lied-Zyklen mit dem Pianisten András Schiff auf CD eingespielt. Diese sind mit dem englischen Gramophon-Avery-Preis ausgezeichnet worden.
Seit 1979 tritt Peter Schreier auch als Dirigent in der Öffentlichkeit hervor. Er übernahm in den Bach-Passionen und im Weihnachtsoratorium von Bach die Leitung und die Partie des Evangelisten (u.a. in Cleveland, Los Angeles, Wien, Helsinki, Kopenhagen, Berlin, Dresden, Hamburg, Köln). Konzerte mit der Dresdner Staatskapelle, dem Berliner Philharmonischen
Orchester, den Wiener Symphonikern, Mozarteum-Orchester, Gürzenich-Orchester, Philharmonisches Staatsorchester Hamburg und Los Angeles-Philharmonic-Orchestra u.a. machen ihn zu einem vielbeschäftigten Dirigenten.
2005 beendete Schreier seine Gesangskarriere. Seitdem dirigiert er im In- und Ausland und leitet internationale Meisterklassen.

Peter Schreier erhält seine Auszeichnung in der Kategorie Musik.

 

 

Prof. Marcel Reich-Ranicki

Marcel Reich-Ranicki wurde am 2. Juni 1920 in Włocławek an der Weichsel als drittes Kind des Fabrikbesitzers David Reich und dessen Ehefrau Helene Reich geboren. Anders als seine Geschwister Alexander Herbert (1911–1943) und Gerda (1907–2006) besuchte er die deutsche Schule von Włocławek. Seine Jugend verbrachte er in Berlin, wo er auch am Fichte-Gymnasium sein Abitur machte.
Im Herbst 1938 wurde er verhaftet und nach Polen ausgewiesen. Seine große Liebe und spätere Ehefrau Teofila Langnas (geboren am 12. März 1920) lernte er in Warschau kennen. Nach der Zwangsumsiedlung ins Warschauer Ghetto im Jahr 1940 heirateten sie. Zu dieser Zeit arbeitete Reich-Ranicki als Übersetzer, weswegen er und seine Frau von der Deportation ins Vernichtungslager Treblinka verschont wurden. Zudem schrieb er unter dem Pseudonym Wiktor Hart Konzertrezensionen für die Ghettozeitung Gazeta Żydowska.
Am 3. Februar 1943 konnten Marcel Reich-Ranicki und seine Frau Teofila Reich-Ranicki aus dem Warschauer Ghetto flüchten und fanden bis Ende September 1944 bei der Familie Gawin Unterschlupf. 1948 wurde er unter dem Namen Marceli Ranicki zum Vize-Konsul an der polnischen Botschaft in London berufen, wo er für die Rückführung polnischer Emigranten zuständig war. In London wurde am 30. Dezember 1948 sein Sohn Andrew Ranicki geboren. Ende 1949 kehrte Reich-Ranicki auf eigenen Wunsch hin nach Warschau zurück.
Reich-Ranicki wurde 1950 Lektor für deutsche Literatur in einem großen Warschauer Verlagshaus. Im Winter 1951 entschied er sich für eine Tätigkeit als freier Schriftsteller. In den Jahren 1953 und 1954 verboten ihm die polnischen Behörden jegliche Publikation.
1958 wanderte er in die Bundesrepublik Deutschland aus, wo er zwischen 1960 und 1973 als Literaturkritiker für Die Zeit tätig war. Von 1973 bis 1988 leitete er die Literaturredaktion der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. In diese Zeit fällt sein Mitwirken am Aufbau von Institutionen der deutschsprachigen Literatur wie der Frankfurter Anthologie und dem Ingeborg-Bachmann-Preis. Einen höheren Bekanntheitsgrad in der breiten Bevölkerung erlangte Marcel Reich-Ranicki mit der Leitung der ZDF-Sendung „Das literarische Quartett „vom März 1988 bis Dezember 2001.
Reich-Ranicki zeigte sich auch im Bereich der Lehre engagiert. Er unterrichte in den Jahren 1968 und 1969 an verschiedenen amerikanischen Universitäten. 1971 bis 1975 war er ständiger Gastprofessor für Neue Deutsche Literatur an den Universitäten Stockholm und Uppsala. Seit 1974 ist er Honorarprofessor an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen. 1990 erhielt Marcel Reich-Ranicki die Heinrich-Heine-Gastprofessur an der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität, 1991 die Heinrich-Hertz-Gastprofessur an der Universität Karlsruhe.
Auf Gesuch der Freunde der Universität Tel Aviv hin entstand im Jahr 2006 der Marcel-Reich-Ranicki-Lehrstuhl für Deutsche Literatur an der Universität Tel Aviv.

Marcel Reich-Ranicki erhält seine Auszeichnung in der Kategorie Gesellschaftliches Engagement.